Dieses Arbeitsjournal versammelt Texte aus dem Schreibhaus: Notizen aus der Schreibarbeit, Gedanken zu Literatur, kurze eigene Texte und Hinweise auf Termine. Es ist ein offener Ort – für Fragmente ebenso wie für ausgearbeitete Beiträge, für Lektüren, die nachwirken, und für Fragen, die das Schreiben begleiten. Wer hier liest, begegnet dem Schreiben im Prozess.
Zwischen aktuellen Lektüren, neuen Texten und neuen Räumen wächst dieses Journal langsam weiter — mit den Menschen, Texten und Begegnungen, die daraus entstehen.
Ab Juni: Kartierungen I-VI | Dauerausstellung Chausseestraße 44a | Berlin Wannsee
Gemeinsam mit dem WannseeHUB beziehe ich die Räumlichkeiten des ehemaligen Buchladens in Berlin Wannsee. Ab Juni finden dort die Coachings und Schreibwerkstätte statt. Ich freue mich auf intensive Gespräche, Lesungen, Buchbesprechungen und Vernissagen.
Wilhelm Genazino nannte es Materialcontainer. In einen Container lädt man ab, was man nicht mehr mit sich herumtragen kann oder möchte – schwere Möbelstücke, aber auch Nippes, Kleinkram. Wenn ich einen Einkaufszettel schreibe, ist das nichts anderes. Die einfachste Form des Schreibens: Die Gedanken sind aus meinem Kopf und trotzdem da. Jederzeit kann ich es wieder hervorholen und nachsehen, was in diesem Moment gerade in meinem Kopf gewesen ist.
Was ist Schreiben anderes?
Immer wieder interessiert uns die gleiche Frage:
Was versucht ein Text eigentlich zu zeigen — und wodurch gelingt oder verfehlt er es?
Immer wieder interessiert uns die gleiche Frage:
Was versucht ein Text eigentlich zu zeigen — und wodurch gelingt oder verfehlt er es?
Aus „Zehn Regeln für den Romanautor“ von Jonathan Franzen.
Der Leser ist ein Freund, kein Gegner, kein Zuschauer.
Literatur zu schreiben, mit der man sich als Autor nicht auf beängstigendes oder unbekanntes Gelände wagt, lohnt sich höchstens des Geldes wegen.
Benutze nie das Wort dann als Konjunktion – wir haben das und dafür. Dann an dessen Stelle zu setzen ist die aus Faulheit oder Unmusikalität geborene Nicht-Lösung des Problems zu vieler und auf einer Seite
Schreibe in der dritten Person, wenn sich eine wirklich markante Ich-Erzählerstimme nicht unwiderstehlich anbietet.
Wenn Informationen kostenlos und allgemein verfügbar sind, werden umfangreiche Recherchen für einen Roman wertlos.
Autobiographische Literatur im reinsten Sinne des Wortes verlangt reine Erfindung. Niemand hat je eine autobiographischere Geschichte geschrieben als Die Verwandlung
Wenn man ruhig dasitzt, sieht man mehr, als wenn man den Dingen hinterherjagt.
* * *
Es sieht immer so aus, als würde das Wasser am Horizont in die Ferne sinken, während es hier an der Erde leckt und seine Gischt die Wassertropfen bis auf meinen Schoß wirft. Ein Schwarm von Möwen schwebt, ohne einen Flügelschlag zu bemühen, im Sinkflug in Richtung Landzunge. Ich wünschte, ihre Leichtigkeit würde in mich übergehen und mir die Schwere aus den Knochen heben. Doch die Möwen kehren nicht zurück. Ihre Silhouette wird immer kleiner, bis sie einer Bleistiftschattierung auf rauem Papier gleicht. Ferne, Fernweh, Horizont. Ich bilde Wortreihen, wie ich es als Kind immer getan habe und meine Lippen verfolgen den Weg der Silben. Ich spüre, wie sich die Spannung in meinem Kopf aufbaut, ein Kribbeln, als gäbe es einen kleinen elektrischen Schock, doch Westen, Atlantik, Amerika, forme ich lautlos und die Anspannung fällt. Ich muss nichts mehr aussprechen. Allein die Vorstellung, wie viele der Worte notwendig wären, um die Welt zu beschreiben, die mit Westen, Atlantik, Amerika gemeint sein könnte, macht mich müde.
Eine winzig kleine Gestalt taucht am Strand auf. Ein Jogger, der sich in Liekdeich auf den Weg macht und mich frühestens in einer halben Stunde erreichen wird. Er sieht aus wie ein Spielzeugmensch, den ich einfach greifen und versetzen könnte. Ich richte meinen Blick zurück auf das offene Meer. Das Sonnenlicht beginnt sich im Wasser zu spiegeln. Es wird ein sonniger Tag, doch ich lasse ihn erst einmal beiseite. Ich habe Lust, dem Meer meine Geschichte zu erzählen. Als Thomas am frühen Abend nach Hause kam, wird der erste Satz meiner Geschichte lauten. Diese Worte spreche ich jetzt aus, laut und deutlich, und muss an meinen Vater denken, der mir an diesem Ort vor vielen Jahren davon erzählt hat, wie Demosthenes einst seine Sprechangst überwand. Mit Kieselsteinen im Mund sprach er gegen das rauschende Meer an, um einer der bedeutendsten Redner des antiken Griechenlands zu werden. Ich empfinde Zärtlichkeit für diesen Menschen. Doch ich werde keine Kieselsteine in den Mund nehmen. Ich muss auch keine Rhetorikerin werden. Nein, ich habe Zeit, liebes Meer und ich weiß, dass Du sie auch hast.
(Prolog aus einem Roman, der entsteht)
Kurzgeschichte
Samstag, 05. September 2026
10:00 – 16:00 Uhr
im HUB Studio Wannsee C44a
Die Kurzgeschichte gehört zu den konzentriertesten literarischen Formen. Wir arbeiten an Aufbau, Verdichtung, Perspektive, Sprache.
Anmeldung
kontakt@schreibhaus.berlin
oder über den wannseekalender
Schreibwerkstatt
Zweiter Donnerstag im Monat
ab 10. September 2026
16:00 – 19:00 Uhr
im HUB Studio Wannsee C44a
Eine offene Werkstatt für literarisch Schreibende. Im Mittelpunkt stehen das eigene Schreiben und der Austausch über entstehende Texte.
Anmeldung
kontakt@schreibhaus.berlin
oder über den wannseekalender
Literaturkreis
Erster Mittwoch im Monat
ab 02. September 2026
19:00 – 22:00 Uhr
im HUB Studio Wannsee C44a
Für alle, die Literatur lesen und gemeinsam darüber ins Gespräch kommen möchten.
Anmeldung
kontakt@schreibhaus.berlin
oder über den wannseekalender