Vögel_Franzen

Zehn Regeln für einen Romanautoren

Jonathan Franzen

Zehn Regeln für den Romanautor

Jonathan Franzen

Vögel_Franzen

02.02.2026

von Jonathan Franzen

    1. Der Leser ist ein Freund, kein Gegner, kein Zuschauer.

    1. Literatur zu schreiben, mit der man sich als Autor nicht auf beängstigendes oder unbekanntes Gelände wagt, lohnt sich höchstens des Geldes wegen.

    1. Benutze nie das Wort dann als Konjunktion – wir haben das und dafür. Dann an dessen Stelle zu setzen ist die aus Faulheit oder Unmusikalität geborene Nicht-Lösung des Problems zu vieler und auf einer Seite

    1. Schreibe in der dritten Person, wenn sich eine wirklich markante Ich-Erzählerstimme nicht unwiderstehlich anbietet.

    1. Wenn Informationen kostenlos und allgemein verfügbar sind, werden umfangreiche Recherchen für einen Roman wertlos.

    1. Autobiographische Literatur im reinsten Sinne des Wortes verlangt reine Erfindung. Niemand hat je eine autobiographischere Geschichte geschrieben als Die Verwandlung

    1. Wenn man ruhig dasitzt, sieht man mehr, als wenn man den Dingen hinterherjagt.

    1. Es ist zu bezweifeln, dass jemand, der eine Internetverbindung an seinem Arbeitsplatz hat, gute Bücher schreibt.

    1. Interessante Verben sind selten besonders interessant.

    1. Man muss erst lieben, bevor man gnadenlos sein darf.